Überregionale Klausuren

Über diese Formate sollten die Projekt-teilnehmenden selbstbestimmt die Bildung einer landesweiten politischen Interessenvertretung für junge Menschen gestalten. Hierfür, sollten drei überregionale Klausurwochenenden angeboten werden. Ein Ziel war die heterogene Zusammensetzung der Gruppe. Am ersten Wochenende sollten die Teilnehmenden ihre Motivationen, ihre Fähigkeiten und ihre Bedarfe austauschen, sich als Gruppe zusammen und gemeinsame Visionen entwickeln Die beiden folgenden Seminare hätten anders als beim ersten Wochenende ihren Schwerpunkt auf der konkreten Vermittlung von Fähigkeiten und Inhalten. Die Auswahl trifft die Gruppe selbst. Die methodische Herangehensweise sollte praxisbezogen sein und immer die konkrete Vision der Gruppe im Fokus haben. Natürlich wären die Übernachtungsseminare ein idealer Startschuss für eine Etablierung einer Gruppe gewesen. Durch die übertragene Verantwortlichkeit an die Gruppe sollte eine selbstbestimmte Dynamik entstehen, die die Teilnehmer*innen frei von thematischen Einschränkungen zu einem selbst formulierten Ziel trägt.

 

 

Aber wegen Corona kam es anders…

 

 

Wir konnten keine Angebote mit Übernachtung anbieten. Das bedeutete, dass alle Projektinhalte, die auf informeller Begegnung, sich Kennenlernen und sozialem Miteinander fußten in diesen Maßnahmen nicht vollzogen werden konnten. Also versuchten wir aus den Teilnehmenden der Demokratiebildungsworkshops die Bedarfe zu filtern und daraufhin thematische Schwerpunkte für die Wochenendworkshops zu setzen.

 

Es wurde schnell klar, dass es einerseits Bedarf gibt, den Rassismus innerhalb von Institutionen und Vereinen mal näher zu beleuchten. Vor allem wurde deutlich, dass es auch innerhalb unseres Vereins und der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern zu rassistischen Äußerungen gekommen ist. Dazu wurde gemeinsam das erste Wochenendseminar konzipiert.

 

 

1. Wochenende

 

Auf Impuls der Projektteilnehmenden, die alle in der Migrantischen Selbstorganisation ehrenamtlich aktiv sind und sowohl Erfahrungen mit Rassismus in Institutionen, oder migrantischen (Vereinen) haben, als auch Probleme bei der Beteiligung in nicht-migrantischen Vereinen haben, wurde ein Workshop konzipiert, in denen die Projektteilnehmenden sich mit Rassismus und anderen Diskriminierungsformen austauschen können, und sich geleitet von Fachpersonal Handlungsoptionen erarbeiten können, wie sie mit rassistischen Erfahrungen innerhalb von Institutionen umgehen können. Natürlich war ein Fokus des Wochenendseminars auch auf Begegnung und Austausch ausgelegt. Außerdem wirkte der Workshop auf die Vereinspraxen der djo-LV Sachsen, da konkrete Erlebnisse innerhalb des Vereins thematisiert wurden und der Verein angehalten wurde, perspektivisch konkrete Strategien zur Prävention von rassistischem Verhalten gegnüber der Ehrenamtlichen, aber auch Mitarbeiter*innen zu erarbeiten. Der Prozess wurde direkt in die Vereinspraxis integriert und alle Mitarbeitenden sind sehr engagiert innerhalb ihrer Beteiligung.

 

 

2. Wochenende

 

Das 2. Wochenende beschäftigte sich inhaltlich mit dem Thema Feminismus aus Internationalistischer Perspektive. Die Projektteilnehmenden versprachen sich dadurch, dass sie noch weitere Menschen ansprechen können, um auf eine Diversifizierung der Gruppe hinarbeiten zu können. Die Projektteilnehmenden hatten sich noch nicht viel mit dem Thema Feminismus auseinandergesetzt und interessierten sich für die internationale Perspektive. Vor allem eine Intersektionale Perspektive wurde dabei angestrebt. Dafür wurden verschiedene Akteur*innen aus verschiedenen Ländern eingeladen, online Vorträge zu halten. Die Projektteilnehmenden suchten sich dabei Unterstützung von feministischen Aktivist*innen in Dresden. Mit ihnen gemeinsam stellten sie ein Mehrtägiges Programm auf die Beine. Sie organisierten Übersetzung für jede Veranstaltung und versammelten sich offline unter strengen Coronamaßnahmen, um die Vorträge gemeinsam anzuhören und zu besprechen.

3. Wochenende: Das letzte Workshopwochenende fand offline und im Freien statt. Im Rahmen der Projektgruppe erschien es nötig, sich mit den eigenen Rassismuserfahrungen und Erfahrungen mit Xenophobie auseinanderzusetzen. Deswegen wurde vom Projektmitarbeiter und der Gruppe ein Empowermentworkshopwochenende konzipiert. Bei dem Workshop sollte es darum gehen, die Hintergründe von Rassismus besprechen zu können, und das Erlebte über körperorientierte Methoden durch eine Erfahrene Theaterpädagogin of Clolor zu bearbeiten. Auch gab es einen sehr ausführlichen Input zu Handlungsoptionen bei Rassismuserfahrungen.

 

 

3. Wochenende:

 

Beim dritten Wochenende konnten sich die Teilnehmenden ganz konkret und mit eigenen Rassismuserfahrungen auseinandersetzen. Der Workshop fand im Riesa efau statt. Weil es manchmal wichtig sein kann, dass sich nur Menschen austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und dadurch ein sensibler Safe Space entstehen kann, in denen Menschen empowert werden können und sich untereinander über Strategien austauschen können, fand der Workschop unter Ausschluss von weiß positionierten Deutschen statt. Der Workshop war außerdem darauf ausgelegt, sich mit den „im eigenen Körper eingeschriebenen“ rassistischen und fremdenfeindlichen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Dazu war eine Tanzpädagogin eingeladen, die den gesamten Workshop begleitete und immer wieder mit körperbezogenen Methoden den Fokus weg von der Sprache nahm. Außerdem wurde sich mit einer erfahrenen Workshopleiterin und deren erprobten Methoden dem Thema Rassismuserfahrungen und Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit behutsam genähert. Den dritten Input lieferte ein Mitarbeiter der RAA Opferberatung, der den Teilnehmen vermittelte, was sie nach Diskriminierenden Erfahrungen machen können, wie die Rechtslage in Deutschland aussieht und wie die RAA beratend und begleitend Hilfestellungen geben kann.